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Selbst ist der Mann in der neuen Fahrradwerkstatt Ostsee Zeitung
geändert am 16.11.2009 von Administrator
13.11.2009 - 13:18 Wenn der Keller zu Hause fehlt — werkeln und reparieren können junge Leute jetzt am Nachmittag in der Sastrowstraße.
Eine Selbsthilfe-Werkstatt für Kinder und Jugendliche wird in der Frankenvorstadt eröffnet. Möglich wurde die Verwirklichung des Projektes in der Sastrowstraße 4 auch mit Mitteln, die bei der Aktion Bürgerpreis von der OZ und dem Versicherungsunternehmen Combined vergeben wurden, wie Axel W. Markmann, Bereichsleiter beim Kreisdiakonischen Werk, deutlich machte.
Begonnen hatte der Aufbau der Werkstatt bereits im April in der Peter-Blome-Straße. „Diese Außenstelle musste jedoch aufgelöst werden, nachdem eine Mitarbeiterin gekündigt hatte“, sagt Markmann. So fiel die Entscheidung, in den Keller in der Sastrowstraße umzuziehen. Und das passt. Im Haus werden seit dem 1. Januar 60 Jugendliche im Freiwilligen sozialen Trainingsjahr betreut. Das, was im Jahr 2000 als Bundesmodell für benachteiligte Jugendliche startete, geht inzwischen ins neunte Jahr und wird sowohl von der Arge als auch vom Jugendamt und vom Land unterstützt.
„Es gehört dazu, Hilfe für unsere Teilnehmer zu organisieren, außerhalb der regulären Arbeitszeit werden Möbel oder andere eigene Sachen wie Fahrräder repariert“, beschreibt Markmann. Die Werkzeuge stehen nun zur Verfügung. „Viele haben sonst gar keineMöglichkeit dazu“, weiß Markmann. Am Nachmittag steht die Werkstatt aber nicht nur den Projektteilnehmern, sondern ab 14 Uhr und nach Anmeldung auch allen anderen Jugendlichen des Stadtgebietes zur Verfügung.
„Eine gute Idee“, findet Kathleen Stephan (22). Die Mutter einer zweijährigen Tochter hat Raumausstatterin beim Bildungszentrum Nordost gelernt. Doch jetzt ist sie ohne Job. Da sei jede Hilfe willkommen. Ähnlich sieht es die Kauffrau für Bürokommunikation Sandra Witek (24), die in ihrem Beruf bisher ebenfalls keine Arbeit fand. Auch Hannes Altmann (19) kann sich vorstellen, dass die Werkstatt von vielen genutzt wird. „Einer ist immer dazwischen, der was weiß“, setzt Markmann auf gegenseitige Hilfe. Denn „nichts motiviert so, wie der eigene Erfolg“.
Wie die Ideen wachsen, erlebte Einsatzstellenleiterin Dörte Kebschull. Unter ihrer Leitung entstanden zwei Bücher. Das dritte ist in Arbeit. Das Kochbuch „Smutjes Lieblingsgerichte“ enthält Rezepte vom „Scharfen Seemannssonntag“ über den „Letzten Willen“ bis zum „Eierfeudel“ und ist witzig illustriert. Im Bändchen „Futzelstadtgebiet Frankenvorstadt“ finden sich Geschichten und Limericks von 1900 bis 1989. Der Titel war schnell gefunden, als eine Teilnehmerin überlegte, was man über so ein „Futzelstadtgebiet“ wohl zu berichten hätte. Am Ende staunten die Teilnehmer, was sie da alles in Archiven fanden.
Zum Ausgangspunkt nahmen sie sich den „Diebsteig“ und durchforsteten vor allem die Polizeimeldungen auf Delikte und Verbrechen. Da entstanden solche Verse wie: „Den Fischer aus der Reiferbahn, der in der Kneipe Zoff bekam, den fand man am Morgen mit Kummer und Sorgen verprügelt in seinem eigenen Kahn.“ In der Modellwerkstatt werden dagegen unter Anleitung von Gerd Waak (58) die letzten Modelle hergestellt. Das Heilgeistkloster ist bereits komplett fertig, während es beim Außengelände des Meersmuseums noch einiges zu erledigen gilt. Das muss bis zum Jahresende geschafft sein, denn dann wird die Tastmodellwerkstatt, die noch aus dem Projekt „Blind verstehen“ weitergeführt wurde, beendet sein.
Doch schon hat Axel W. Markmann eine neue Idee: Er möchte das Freiwillige Soziale Trainingsjahr in eine Jugendfirma umwandeln. Die Vorbereitungen haben begonnen. „Wir wollen den Beweis antreten, dass Jugendliche wirtschaften können“, sagt er. MARLIES WALTHER |