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Pressemappe: Kreisdiakonisches Werk Stralsund e.V. und Tochtergesellschaften

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Heute vor 20 Jahren....
Ostsee Zeitung

04.12.2009 - 09:47 .... fiel die Stasi-Zentrale!
Stralsunder, die am 4. Dezember 1989 dabei waren, hielten am Mittwoch in der Jakobikirche Rückschau auf die Besetzung der Stasi.

Heute vor 20 Jahren....

„Bringen Sie uns diese wunderbare Geschichte. Schreiben Sie Berichte, wenn Sie nicht Tagebuch geführt haben! All diese Zeitdokumente gehören ins Stadtarchiv. Bei uns lagert das Material sicher.“ Mit diesem inständigen Appell ermutigte die Direktorin des Stadtarchivs, Dr. Regina Nehmzow, am Mittwoch die Gäste im Gustav-Adolf-Saal.
Sie sei tief beeindruckt von den vorgetragenen Erlebnissen, die nicht in Vergessenheit geraten dürften. Von dem durch Siegfried Hirsch, damals Vorsitzender des Gerechtigkeitsausschusses, erstmals öffentlich gemachtem außergewöhnliche Tondokument, aufgenommen während der Besetzung der Stasi-Zentrale. Von dem Film, den Hansa-Schüler unter Anleitung von Lehrerin Heike Mertes mit Zeitzeugen drehten. Von den Erinnerungen derer, die dabei waren.

Unter dem Leitgedanken „Lebendige Geschichte“ hielten Stralsunder am Mittwoch mit Moderator Dr. Volker Höffer, Leiter der Rostocker Außenstelle der Bundesbeauftragten für Stasiunterlagen, Rückschau auf den 4. Dezember 1989.

„Anfangs völlig ungeplant und spontan“, so Klaus Goßlau, waren damals nach dem Friedensgebet in St. Marien 150 Menschen vor das fest verschlossene Tor der Stasizentrale gezogen und forderten Einlass. Ein Greifswalder Student hatte zuvor ein kleine Gruppe überzeugt: Ihr müsst da jetzt hin. Nächste Woche ist es zu spät. Die schaffen alle Akten weg. Die Container rollen. Die Schornsteine rauchen.

Wer in dieser Nacht voller Emotionen dabei war, ist heute immer noch aufgewühlt, wie auch Pfarrer Winrich Jax, Thomas Nitz, Wolfgang Mamat oder Heidi Rauchenecker in der Podiumsdiskussion deutlich machten. Mir als damals junge OZ-Redakteurin erging es genau so. Kurz vor Mitternacht erreichte mich der Anruf von Klaus Goßlau. „Sie müssen unbedingt schnell in die Prohner Straße kommen“, hatte der Sprecher von „Demokratie jetzt“ mich gebeten.

Voller Ungewissheit verließ ich mit meinem Mann unsere Wohnung, in der unsere Kinder, elf und sieben Jahr alt, schliefen. Zuvor hatte ich nur noch meiner Mutter Bescheid gegeben, wo wir sind. Fest eingeprägt hat sich mir eine große Angst. Die Teilnahme an den Montagsgebeten war eine Sache. Aber jetzt die Besetzung der Stasi. Ein militärisches Objekt. Hausfriedensbruch in einem Gebäude, von dem Schrecken ausging. Würde man uns wieder rauslassen? Würden Schüsse fallen? Wie würde ich berichten können? Ich hatte keinen offiziellen Auftrag.

Wolfgang Mamat schilderte bildhaft, wie er vom Hotel am Bahnhof „gutgläubig“ den Kreisstaatsanwalt herantelefonierte. Zwei Stunden harrte die Menge in eisiger Kälte aus. „Eine Frau brachte Tee“, weiß Heidi Rauchenecker noch. Dann der wohl gefährlichste Moment: Plötzlich stieg ein junger Mann über die Mauer. Alle hielten den Atem an. Wenig später öffnete sich das Tor. Die Menge sah sich bewaffneten Wachen gegenüber. „Ich habe immer wieder zur Ruhe gemahnt“, war sich Pfarrer Jax der hochexplosiven Situation stets bewusst. Schließlich wurde zunächst eine Gruppe von 14 Stralsundern in die Räume gelassen und überraschte die Mitarbeiter beim Aktenvernichten. Besonders bedrückend war die Besichtigung einer Zelle. „Heute Abend wird hier reiner Tisch gemacht“, ist auf dem Tonband zu hören. Später gelangten die restlichen Menschen in die Kantine. Unter ihnen auch Peter-Uwe Dettmann. „Haben die auch Türdrücker von innen, dass wir wieder rauskommen“, war seine größte Sorge.

Stralsunds Stasi-Chef König ließ lange auf sich warten, wurde dann doch noch herbeigeholt und verkündete, dass das „Kreisamt für Nationale Sicherheit“ aufgelöst wird.

„Natürlich wurden wir ausgetrickst und haben längst nicht alles gesehen. So wurden gewisse Schlüssel spät oder gar nicht gefunden“, so Goßlau heute. Aber dennoch war für ihn das Wichtigste: „Der Nimbus dieses Hauses, über dem soviel Böses lastete, war gebrochen.“