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Offene Grüfte und ein schwebendes Gerüst Ostsee Zeitung
08.12.2009 - 09:12 In der Kulturkirche St. Jakobi beginnen Baumaßnahmen im Umfang von 1,47 Millionen Euro. Fast abgeschlossen: die Grabungen im Chor.
Fort ist der schillernde Charme der Hundertwasser- Kunst. Fort die Bilder und Ausstellungsaccessoires. Die Kulturkirche St. Jakobi zeigt gegenwärtig — entblößt allen schminkenden Zierrates — ihre baulichen Makel. Risse im Gewölbe der Kirchenschiffe, bröckelnder Putz, die verblassende Farbgebung mehr grau als weiß. Bis zum November 2012 wird sich dieser Zustand aber augenfällig ändern. 1, 47 Millionen Euro stehen der Stiftung aktuell für die Sanierung der Innenräume zur Verfügung. Von den Gewölbedecken bis zum Fußboden wird die Kirche eine neue Innenansicht erhalten. Vor der entscheidenden Schönheitspflege steht aber eine Reihe von schwierigen Arbeiten und Problemlösungen an, wie Bauleiter Ulf Kirmis vom ausführenden Architekturbüro Asmussen & Partner erläutert.
Um den geregelten Ausstellungsbetrieb ab April nächsten Jahres nicht zu stören, wird für die Dauer der Sanierungsmaßnahmen ein Hochgerüst im Kircheninnern installiert. In zehn Metern Höhe trennt dann eine Decke die Bauarbeiten von den kulturellen Aktivitäten darunter. Baulärm und Schmutzimmissionen bleiben auch zeitlich vom Besucheraufkommen fern. „Das schränkt unsere Möglichkeiten erheblich ein“, meint der Architekt, „ist aber für einen ungestörten Ausstellungsbetrieb unerlässlich“.
Für die Statik des ungewöhnlichen Baugerüstes erfolgen gegenwärtig die ersten Probebohrungen. 10 bis 25 Meter tief sollen später die Gründungen der etwa 25 „Einzelpunktfundamente“ reichen, wird der hohe sicherheitstechnische Aufwand deutlich. Parallel dazu laufen die Ausschreibungen für die Stahlbauarbeiten der Gerüstkonstruktion. Gänzlich offen ist noch das Gestaltungskonzept für das Kircheninnere. Erst nach einer Befunduntersuchung kann entschieden werden, welche historischen Gestaltungselemente möglicherweise fragmentarisch erhalten bleiben und welche Farbgebung allgemein übernommen wird.
Weitgehend abgeschlossen sind dagegen die begleitenden archäologischen Grabungen im hinteren Chorbereich. Diese waren vor allem für Untersuchungen des Mauerwerks und der Bodenbeschaffenheit nötig.
Freigelegt von den Archäologen des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege wurde dabei im nördlichen Seitenschiff eine alte Gewölbegruft.
Gebeine, Holzreste und barocke Sargbeschläge gehören neben alten Formsteinen, Geldstücken und einer Silbermünze aus dem 18. Jahrhundert zu den „wenig spektakulären“ Funden, wie der Stralsunder Amtsleiter Heiko Schäfer auswertet. Um die historischen Ruhestätten nicht über Gebühr zu stören, wurden die Grabungen größtenteils vor dem nächsten Fundhorizont abgeschlossen. Alle bei Kirchenarbeiten geborgenen Gebeine sollen später in der Gruft wieder bestattet werden. Eine bereits früher freigelegte Gruft im Süden dient zudem als Lagerstätte für alte Grabplatten.
Katalogisiert und fotografisch dokumentiert, entlastet diese Unterbringung die Lagerräume der Kulturkirche. Historiker und Schriftforscher an der Uni Greifswald wollen im nächsten Jahr mit der Entzifferung der eingemeißelten Inschriften beginnen.
BERND HINKELDEY |