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Was wird aus dem „JoJo“? Ostsee Zeitung
10.12.2009 - 09:02 Die Jugendarbeit im Bergener Stadtteil Süd liegt weiter brach. Die Politik will erst im Frühjahr über die Zukunft des „JoJo“ entscheiden. Bergen Es war die letzte Sitzung vor dem Jahreswechsel — und für die hatten sich Bergens Stadtvertreter noch mal richtig viel vorgenommen. In einer Marathonsitzung handelten die Politiker gestern Abend stolze 30 Tagesordnungspunkte ab.
Ein wichtiges Thema jedoch fehlte auf der langen Liste — sehr zum Leidwesen der Jugendlichen im Stadtteil Bergen-Süd: Wie es mit ihrem Jugendtreff „JoJo“ in Zukunft weitergehen soll, ließen die gewählten Volksvertreter offen. Die Entscheidung über einen neuen Betreiber des Jugend- und Vereinshauses wurde vertagt. Folge: Frühestens im März wird es in Bergen-Süd wieder Jugendarbeit geben. Wenn überhaupt . . . Seit September ist der Jugendtreff geschlossen. Nach mehreren Trinkgelagen von Jugendlichen im Umfeld des „JoJo“ sowie Streitigkeiten über das Konzept hatte sich die Stadt vom bisherigen Träger, der Johanniter Unfallhilfe getrennt. Seitdem findet in dem Haus in Süd zwar Vereins-, aber eben kein Jugendarbeit statt. „Wir haben das Thema bewusst nicht auf die Tagesordnung gesetzt. Es sind noch zu viele Fragen offen“, begründet Astrid Schlegel, stellvertretende Bürgermeisterin der Kreisstadt und Leiterin des zuständigen Bürgeramtes, die Entscheidung, nicht über das „JoJo“ zu sprechen.
Eigentlich sollte das Jugendzentrum bereits Anfang Januar wieder seine Pforten öffnen, drei Monate nach dem Ende der Ära Johanniter. „Auf die erste Ausschreibung bis Ende Oktober gab es nur zwei Bewerbungen“, sagt Schlegel. Das CJD aus Garz sowie eine private Kinder- und Jugendeinrichtung aus Pastitz wollten das „JoJo“ übernehmen. „Zwei Angebote waren uns aber zu wenig, daher haben wir die Frist nochmals verlängert und gezielt weitere mögliche Träger angesprochen.“ Mittlerweile haben auch die Netzwerkstelle „Frauen und me(e)hr“ sowie das „E-Werk“ aus Sassnitz Interesse angemeldet.
„Alle Konzepte haben positive Aspekte“, so Schlegel. Doch alle haben auch Schwachstellen, die es im Gespräch mit den Bewerbern auszubessern gilt. Beispielsweise legt die Stadt Wert darauf, dass die Vereine und Selbsthilfegruppen, die das „JoJo“ nutzen, dies auch weiterhin in vollem Umfang tun können. Eventuell gibt es sogar bald Zuwachs in der Vereinsgemeinschaft: Das Rathaus möchte eine Immobilie an der Bahnhofstraße verkaufen, in die sich bisher die Volkssolidarität eingemietet hat. Sollte die Volkssolidarität zustimmen, könnte der gemeinnützige Verein in den Stadtteil Süd umziehen. Ebenfalls offen ist die Frage, ob die Art der Jugendbetreuung, die bisher in Süd angeboten wurde, noch der Weg der Zukunft ist. „Der Stadtteil wird statistisch gesehen immer älter.
Eventuell macht es mehr Sinn, auf Familien- statt auf reine Jugendarbeit zu setzen“, heißt es aus dem Bürgeramt.
Doch das ist nicht das einzige Problem, was die Stadt zurzeit in Sachen „JoJo“ hat: Auch die Finanzen spielen eine Rolle. Erstmals seit Jahren muss nämlich auch Bergen kämpfen, um einen ausgeglichenen Haushalt aufzustellen. „Bevor wir mit den möglichen Trägern nachverhandeln, müssen wir die Mittel für die Einrichtung sichern — und zwar langfristig“, sagt daher die Vize-Chefin des Rathauses. Bisher gab die Stadt jährlich 125 000 Euro für das „JoJo“ aus, die gleiche Summe bekommt auch das NBZ in Rotensee. Ob sich die Kreisstadt das Jugendzentrum in Süd aber auch in Zukunft so viel kosten lässt, ist unklar. Probleme im Vereinshaus Graskammer könnten sich negativ für Süd auswirken.
Bisher zahlt die Stadt keine Zuschüsse für das Vereinshaus, die einzige Vollzeitstelle dort wird von Land und Kreis finanziert. Nun aber zieht sich Schwerin zurück: „Wenn wir die Graskammer nicht aufgeben wollen, muss die Stadt den Anteil des Landes übernehmen — rund 25 000 Euro“, sagt Schlegel. Dieses Geld würde dann aber an Zuschüssen für das „JoJo“ fehlen.
„Es gibt viele offene Fragen, die alle auf den Tisch müssen. Vorher macht eine Entscheidung keinen Sinn“, sagt Schlegel. Sie rechnet damit, dass frühestens Ende Februar in der Stadtvertretung über die Zukunft des „JoJo“ abgestimmt werden wird. Im März oder vielleicht auch erst im April könnte dann ein neuer Träger seine Arbeit aufnehmen. Solange bleiben die Jugendlichen auf sich allein gestellt — aber das habe in den vergangenen drei Monaten auch ganz gut geklappt, so das Rathaus.
ANDREAS MEYER |